Samstag, 6. Dezember 2008

Kill Bill vol. 2


Tarantino reißt's trotzdem noch mal rum. Und zwar mit einer wirklich fantastischen letzten halben Stunde, wenn sich die Braut (deren Namen wir hier endlich erfahren) und Bill wiedertreffen. Wahrscheinlich würde der Mittelteil mit Budd und Elle Driver etwas weniger lahm wirken, wenn die Bill/Braut-Szenen nicht so großartig geschrieben und gespielt wären.
Apropos geschrieben: "Vol. 2" ist deutlich mehr "klassischer" Tarantino als der erste Teil, der mit der völligen Abwesenheit zitierfähiger Dialoge verblüffte (und so manchen verärgerte). Hier gibt es zumindest am Schluss noch einige klassische Bonmots, fast exklusiv von Bill. Dessen Monologe über Superman und Emilio den Goldfisch können zwar die unsterblichsten Zitate aus z.B. "Pulp Fiction" nicht übertrumpfen (aber was könnte das schon?), sind aber klassischer Quentin. Mit "Vol. 2" hat Tarantino somit die Chance, Altfans zu versöhnen, die vom ersten Teil verschreckt wurden. Zum einen, weil dies wie gesagt mehr klassische Tarantino-Ingredienzen hat als der erste Teil, zum anderen, weil auch der Gore-Gehalt deutlich zurückgefahren wurde. Dass man sich da nicht falsch versteht: Gewalttätig ist das Gezeigte immer noch, aber eben bei weitem nicht mehr so explizit und überblutig wie Teil Eins.
Die Szenen mit Bill und der Braut räumen nachträglich auch noch mit einem weiteren Kritikpunkt des ersten Teils auf, nämlich, dass es keine Story und keinen Tiefgang gibt. Hier wird noch mal rekapituliert, wie es überhaupt zu der Ausgangssituation von "Kill Bill" kam, und die im ersten Teil nur angedeuteten Storyteile (Stichwort: "Weiß sie, dass ihr Kind noch lebt?") werden ausgeführt. Und in diesen grandios geschriebenen, zwischen Süffisanz, schwarzer Komödie ("Ich habe überreagiert") und tragischem Pathos schwankenden Dialogen der beiden ehemaligen Liebenden wandelt sich "Kill Bill" zum - so bizarr das jetzt klingen mag - Beziehungsdrama. Da spielt dann gegenüber der Metzel-Action des ersten Teils auch der Kampf plötzlich eine untergeordnete Rolle - und der Showdown zwischen Bill und Braut fällt verhältnismäßig unspektakulär aus. Was eine der besten Entscheidungen überhaupt ist. Zum einen, weil der Showdown aus Teil Eins in Sachen Spektakel nicht zu überbieten wäre, zum anderen, weil die Geschichte es einfach nicht mehr nötig macht. Diese beiden Charaktere sind tatsächlich an einen Punkt gekommen, wo das Schwertduell nicht mehr wirklich wichtig ist. Und so erlaubt Tarantino seinem Jugendhelden Carradine den passendsten, wahrscheinlich coolsten Abgang seiner Karriere.


Komms:
"
Ich komm gerade ausm Kino und ich bin total begeistert. Tarantino's schwarzer Humor kam wieder voll zur Geltung. Ich hab fast so gelacht wie bei Pulp Fiction. Außerdem finde ich den Film an keiner Stelle langweilig, vielleicht ist es für jemanden der Mittelteil langweilig der nur auf Ballerei und Metzeln steht. Wie Tarantino ja schon selbst sagte sollte Pulp Fiction in den Videotheken bei den Komödien stehen, find ich auch das dieser Film genau ein klassischer Tarantino ist und ich schon lange nicht mehr so lachen musste im Kino, mehr als bei jeder anderen billigen Komödie mit z.B."

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